Dienstag, 22. Dezember 2009 | POV-dIagnosen von dInnova | Marcel
Eine dIagnose zu Social Media
Marcel Müller-Siegert
Was geschieht eigentlich da draußen? Warum relaunchen immer mehr Unternehmen ihren Internetauftritt und integrieren plötzlich eine eigene Community? Wieso machen sich große Marken die Mühe eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account anzulegen und zusätzlich Videos auf Youtube bereitzustellen?
Für jeden, der sich noch nicht mit den immer häufiger auftretenden Begriffen Social Media beschäftigt hat, erscheint dieser ganze Aufwand doch durchaus suspekt. Viele Unternehmer bekommen diese Marktentwicklungen mit, wissen jedoch noch nicht ganz, wie sie aus dieser Investition einen Gewinn erwirtschaften sollen.
Für dInnova war dies anfangs nicht anders: Wir wollten Onlineauftritte gestalten und Offline-Kampagnen betreuen. Schnell haben wir herausgefunden, dass es keine klare Trennlinie zwischen On- und Offline mehr gibt. Aber warum ist das so? Die Antwort könnte aus einem Marketingbuch stammen: Der Markt hat sich verändert, wir befinden uns mitten in einem Paradigma-Wechsel, der nachfolgend erläutert werden soll, damit, zumindest in unserem direkten Umfeld, Klarheit herrscht.
Fakten
Die wichtigste Veränderung, in diesem Zusammenhang, ist der Vormarsch des Internets. Tummelten sich hier vor einigen Jahren hauptsächlich nur einige junge und IT-affine Männer, hat sich diese Situation heute verändert: Die Veröffentlichung der letzten AGOF internet facts (2009-III), einer Reichweitenanalyse der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung, verbreitete sich wie zuletzt die Schweinegrippe: Von insgesamt 64,82 Millionen Deutschen über 14 Jahren nutzen 44,38 Millionen das Internet. Das heißt, das Internet ist längst nicht mehr ein Fluchtpunkt vereinzelter Gruppen, sondern ein Medium, das von knapp 75% der deutschen Bevölkerung genutzt wird. Dementsprechend nähert sich die soziodemografische Beschaffenheit immer mehr der Gesamtbevölkerung. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist die Entwicklung des Breitbandnetzes, das heute bereits 71% der Internetnutzer mit DSL versorgt und somit Platz schafft für die Gestaltung von hochwertigen Applikationen, wie z.B. Video-Streams.
Wie tickt der Konsument
Die Tatsache nun eine breite Masse online anzutreffen ist jedoch nicht alleine ausschlaggebend für die oben genannten Entwicklungen. Die Art und Weise der Nutzung kristallisiert sich dabei als weitaus interessanter heraus: Die häufigste Verwendung des Internets erfolgt zum Empfangen und Senden von E-Mails, dicht gefolgt von der Recherche in Suchmaschinen und Webportalen. Des Weiteren werden Nachrichten gelesen, Einkäufe erledigt und der aktuelle Kontostand gecheckt. Um mit seinem sozialen Umfeld in Kontakt zu bleiben, wird dann noch schnell bei studiVZ und Facebook vorbei geschaut. Diese Tätigkeiten bestimmen heute unseren Alltag und auch unsere Kaufentscheidungen: Suche ich ein Produkt, so google ich es und lese mir dann, im Online-Shop, die letzten Kundenbewertungen an. Nach der Bestellung schaue ich noch kurz bei Facebook vorbei und antworte, auf die Frage eines Freundes was so geht, schnell mit einem Link zu dem eben bestellten Produkt. Mein Gesprächspartner teilt mir daraufhin mit, dass die jeweilige Marke auch eine Facebook-Seite hat und schon bin ich nicht mehr ein Käufer, sondern ein Fan.
Rede, sonst wird geredet
So erleben wir Konsumenten Social Media, wir halten uns im Internet auf und treffen Freunde und Bekannte, die es auf die gleiche Art und Weise nutzen. Und genau hier gilt es für werbetreibende Unternehmen anzusetzen: Konnten vor wenigen Jahren noch knackige Kommunikationsnachrichten formuliert und dann in die Masse gestreut werden, ist heute bekannt, dass eine ganz andere Form der Kommunikation weitaus effektiver ist: Der Dialog. Und wichtig hierbei ist: Der Beginn des Dialogs geht nicht mehr von einem Unternehmen aus, er beginnt mit und bei den Konsumenten. Durch die steigende Internetnutzung wird dieser Dialog öffentlich und über Jahre nachvollziehbar. Und genau hier findet der Paradigma-Wechsel statt. Den Unternehmen bleibt nichts übrig, als hier einzusteigen, mit zureden und die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Die Kommunikation wird zu einer Konversation, die nicht nur die negative Eigenschaft der Rechtfertigung haben muss: Durch den Austausch mit dem Konsumenten kann dieser in die Produktentwicklung eingebunden werden, denn schließlich ist er es, der die letztendliche Kaufentscheidung trifft. Die Wertschätzung des Kunden kann gesteigert werden. Dadurch fällt es dem Konsumenten leichter sich mit einem Unternehmen, einer Marke oder einem Produkt zu identifizieren, so dass eine langfristige Kundenbindung entsteht.
The Place to be
Die größte Plattform, auf denen sich die Konsumenten aufhalten, ist Facebook mit mehr als 350 Millionen Mitgliedern weltweit. 70% der Mitglieder leben davon übrigens außerhalb der USA . Begrenzt auf den deutschen Internetmarkt sind die VZ-Netzwerke mit insgesamt 15 Millionen Mitgliedern nicht nur die größten Netzwerke, sondern auch die aktivsten. Das Business Netzwerk XING zählte im September 2009 8,31 Millionen Mitglieder. Laut dem Branchenblog TechCrunch verzeichnete Twitter im November insgesamt 60,3 Millionen Besucher. Unter den Video-Portalen ist Youtube der absolute Spitzenreiter: Hier werden täglich 65.000 neue Videos hochgeladen und im Oktober gab das Unternehmen an, eine Milliarden Video-Aufrufe pro Tag verzeichnet zu haben.
Die Zahlen verdeutlichen die Wichtigkeit dieser Plattformen, so dass viele Unternehmen bereits den Einstieg gewagt und nicht bereut haben. So schaffte es Dell zu einem Umsatz von 6,5 Millionen US-Dollar in den letzten zwei Jahren, um nur eine Erfolgsstory zu nennen.
Die Vernetzung
Für solche Erfolge reicht es nicht aus ein Facebook-Profil zu erstellen und dann auf die Reaktion zu warten. Die User müssen bereits bei ihrer Suche nach Informationen auf das Unternehmen oder die Marke treffen. Dafür ist eine Suchmaschinenoptimierung, aufgrund der steigenden Anzahl an Seiten und Foren, dringend zu empfehlen. Betritt der User eines der Profile, muss er hier einen für ihn wichtigen Mehrwert erhalten und nicht nur angeworben werden. Durch geschickte Verknüpfungen der gesamten Profile, kann die Reichweite verlängert werden. Informationen können sich durch unterschiedliche Profile ergänzen und zum ganzheitlichen Konsum anregen.
Ein Unternehmen kann durch eine optimierte Internetseite auf die eigene Community aufmerksam machen. Diese Online-Community kann durch außergewöhnliche Offline-Events (z.B. Missionen oder Veranstaltungen) aktiviert und unterhalten werden. Durch die Anregung das Erlebte zu teilen und selber aktiv zu bloggen, können weitere Konsumenten erreicht werden. Schon wurde die Reichweite verlängert, die Online-Welt mit der Offline-Welt verbunden und mehr potenzielle Konsumenten wurden emotional berührt.
Was folgt
So funktioniert Social Media heute bereits für viele B2C- und für einige B2B-Unternehmen. Langfristig wird diese Entwicklung noch mehr Unternehmen mitreißen und einige auch überrollen. Der Zurückhalt der noch nicht infizierten Unternehmen begründet sich aus hauptsächlich zwei Fragestellungen: Wie kann Social Media in eine langfristige Strategie eingebettet und wie der Erfolg durch diese Maßnahmen gemessen werden? Gerade im B2B-Bereich stellen sich viele Entscheider noch quer und behaupten, dass das Internet für sie gar nicht so relevant ist und dass sie ihr Geld in realen Verhandlungen mit dem Kunden erwirtschaften. Doch wie kommt der Vertriebler des einen Unternehmens zum Einkäufer des anderen? Alles fängt mit der Suche im Internet an und endet, bei eben diesen konservativen Unternehmen, am Empfang an dem die nette Empfangsdame freundlich abblockt. Dabei muss das gar nicht so laufen: Ein B2B-Unternehmen kann seinen Internetauftritt optimieren und sich in branchenübliche Suchmaschinen eintragen. So wird es gefunden. Der weitere Kontakt entsteht dann nicht, wie im B2C, über Facebook oder studiVZ, sondern in einem Business-Netzwerk. Hier finden die richtigen Menschen zueinander und verdienen gemeinsam und aneinander. Gepflegt werden kann die Beziehung über eigene Portale, in denen z.B. Bestellungen vereinfacht werden. Auf dem Laufenden bleiben beide über ihre Twitter-Accounts. Die Frage, ob ein Geschäftspartner wohl ein neues Produkt für den anderen hat stellt sich dann gar nicht mehr, er twittert es ihm automatisch. Nebenbei bleiben beide über die Entwicklungen der Konkurrenz auf dem neuesten Stand.
Nicht nur nach außen, sondern auch innen
Durch Einbindung der gesamten Mitarbeiter muss das Nutzen von Social Media noch nicht einmal viel Zeitaufwand für einzelne Mitarbeiter aus PR oder Marketing bedeuten: Warum soll der begeisterte Blogger aus der Forschung und Entwicklung das nicht übernehmen? Durch diese verantwortungsvolle Aufgabe wird er sich noch mehr mit dem Unternehmen identifizieren und einige Minuten am Tag dafür opfern. Dadurch wird deutlich, dass auch die interne Kommunikation gesteigert werden muss. Die Mitarbeiter müssen über dieses Geschehen informiert und über die Rahmenbedingungen aufgeklärt werden. Ihre entscheidene Rolle in diesem Prozess darf kein Geheimnis bleiben.
Die gesamte Planung der Aktivitäten sollte in einem Social Media Plan festgehalten werden. Die Übertragung von Social Media in den Unternehmensalltag bedarf eines strategischen Rahmens und einer festen Integration in den Marketing Mix. Nur so kann langfristig verdient werden.
Anlass
dInnova sieht diesen Blogbeitrag als Startschuss, um Unternehmen bei der Entwicklung von Social Media zur Seite zu stehen. Nach einer ausführlichen Einarbeitung in die Thematik, berät dInnova andere Unternehmen und hilft bei der Integration dieser neuen Medien. Die Ausarbeitung eines Social Media Plans und die Formulierung klarer Strategien und Maßnahmen gehören ebenso ins Portfolio wie die Begleitung bei der Ausführung und die Erfolgskontrolle.



